Integrierte Ländliche Entwicklung
Hochwasser – und Starkregen – Gemeinsam vorsorgen im Ampertal
(25.10.2025) Allershausen, Lkr. Freising – Passender hätte das Wetter kaum sein können: Während draußen der Regen in Strömen fiel, stand in der Ampertalhalle Allershausen alles im Zeichen des Hochwasserschutzes. Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen“ fand dort am 25. Oktober 2025 der Hochwassertag der ILE Kulturraum Ampertal statt. Ziel der Veranstaltung war es, wissenschaftliche Erkenntnisse, praxisnahe Schutzmaßnahmen und lokale Handlungsmöglichkeiten zusammenzuführen – und den Austausch zwischen Bevölkerung, Verwaltungen, Landwirtschaft und Einsatzkräften zu stärken.
Wissenschaft, Praxis und lokale Erfahrung vereint
In seinem Vortrag „Acker, Asphalt, Atmosphäre“ erklärte Professor Dr. Karl Auerswald (TU München), warum Extremwetterereignisse zunehmen und welche Rolle Boden, Flächenversiegelung und Klimawandel dabei spielen. Weitere Beiträge zeigten, wie Landwirtschaft, Flächennutzung und Konsumverhalten zur Resilienz unserer Kulturlandschaft beitragen können.
Fachleute der Bayerischen Architektenkammer und verschiedener Beratungsstellen erläuterten, wie sich Gebäude und Grundstücke an veränderte Niederschlagsmuster anpassen lassen – von gezielter Objektabsicherung bis hin zu baulichen Lösungen im Bestand und Neubau.
Auch die Einsatzpraxis erhielt viel Raum: Feuerwehren und Hilfsorganisationen berichteten aus erster Hand von vergangenen Hochwasserlagen und gaben konkrete Verhaltenstipps für den Ernstfall. Ein Schwerpunkt lag zudem auf digitalen Werkzeugen wie GIS-Anwendungen und kommunalen Modellierungen, die Gefährdungsräume sichtbar machen und Planungsprozesse unterstützen.
Fachausstellung mit direktem Praxisbezug
Begleitend präsentierten zahlreiche Institutionen ihre Arbeit: Das Wasserwirtschaftsamt München, das HKZ-Hochwasserkompetenzzentrum, Feuerwehren, Energie- und Umweltberatungsstellen, Planungsbüros sowie Versicherer und Banken informierten über technische, organisatorische und finanzielle Möglichkeiten der Vorsorge. Die Besucherinnen und Besucher erhielten so konkrete Impulse, wie sie eigene Gebäude und Flächen schützen können. Die Ländliche Entwicklung beriet als Aussteller zur Förderung im Bereich Wasserrückhalt. Als einzige Verwaltung fördern die Ämter für Ländliche Entwicklung im Bereich wild abfließendes Oberflächenwasser.
Gemeinsam handeln – über Gemeindegrenzen hinweg
Ein zentrales Ergebnis des Tages: Wirksame Hochwasservorsorge beginnt lokal – mit vorausschauender Bauweise, verantwortungsbewusstem Verhalten und enger kommunaler Zusammenarbeit. Uwe Gerlsbeck, Bürgermeister von Kirchdorf und ILE-Vorsitzender, brachte es auf den Punkt: „Hochwasser macht nicht an Gemeindegrenzen Halt. Nur gemeinsam können wir wirksame Lösungen finden. Dieser Tag hat gezeigt, wie wertvoll Vernetzung ist – zwischen Kommunen, Fachstellen und der Bevölkerung.“ Mehrmals wurde betont, dass digitale Werkzeuge und Gefahrenkarten künftig eine noch wichtigere Rolle in der kommunalen Planung spielen werden.
Von der Idee in die Fläche: Förderprogramme unterstützen Umsetzung
Um die im Hochwassertag aufgezeigten Maßnahmen in die Praxis zu bringen, nutzt das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern (ALE) bestehende Förderprogramme des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus – darunter FlurNatur sowie Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung (s. weiterführende Links unten).
FlurNatur unterstützt landschaftsgerechte Maßnahmen zum dezentralen Wasserrückhalt, etwa durch begrünte Abflussmulden, Erdbecken und naturnahe Ufergestaltung. Die Dorferneuerung hilft Gemeinden und Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern, Ortsbereiche klimaangepasst zu gestalten und Freiflächen zu entsiegeln. „Gerade die Zusammenarbeit über die ILE ist für uns der Schlüssel, um Projekte überhaupt umsetzen zu können“, betonte Susanne Huber, Sachgebietsleiterin Landespflege am ALE. So fließen die Impulse des Hochwassertags direkt in konkrete Projekte für eine nachhaltige Entwicklung im Ampertal.
Der Hochwassertag hat eindrucksvoll gezeigt, dass frühzeitige Vorsorge und gemeinsames Handeln die Grundlage dafür sind, das Ampertal auch in Zukunft sicher und lebenswert zu gestalten – für Mensch, Landschaft und Natur.
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