Streuobst
Wild, vital und vitaminreich: Löwenzahn, Vogelmiere und Wiesenschaumkraut entdecken
Wildblumen unter Streuobstbäumen
Obwohl die Obsternte auf Streuobstwiesen noch etwas dauert, regt sich im Frühjahr bereits neues Leben. Viele Wildkräuter beginnen zu sprießen und profitieren von der meist extensiven Bewirtschaftung dieser Flächen. Schon früh im Jahr lassen sich somit unbelastete, nährstoffreiche Kräuter finden – darunter Löwenzahn, Vogelmiere und Wiesenschaumkraut. Sie bereichern nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Küche mit ihren frischen Aromen.
Löwenzahn - mehr als ein Farbtupfer
Der Löwenzahn, wissenschaftlich als Taraxacum officinale bekannt, ist eine der bekanntesten Pflanzen Mitteleuropas und auf nahezu allen Böden heimisch. Unter seinen volkstümlichen Namen wie Apothekerkraut, Dotterblume, Augenmilch, Kuhblume oder Sonnenwirbel verbirgt sich eine Pflanze, die mehr ist als ein gelber Farbtupfer auf Wiesen und Wegrändern. Die Blütenköpfe richten sich wie kleine Sonnen nach der Sonne, während die grundständigen, gezähnten Blätter eine Rosette bilden. Die Pfahlwurzel des Löwenzahns reicht tief in den Boden und speichert Nährstoffe, die die Pflanze besonders widerstandsfähig machen.
Löwenzahn enthält eine Fülle wertvoller Inhaltsstoffe: Vitamin C, Kalium, Bitterstoffe, Flavonoide, Kieselsäure und verschiedene Spurenelemente. Diese wirken blutreinigend, harntreibend, galle- und appetitanregend. Löwenzahntee aus Blättern oder Wurzeln regt den Stoffwechsel an, unterstützt das Bindegewebe und kann sogar bei Nierensteinen unterstützend wirken. Kein Wunder, dass der Löwenzahn in alten Volksüberlieferungen als „Ginseng des Westens“ bezeichnet wird. Auch der Brauch, die Pappus-Früchte wegzublasen und so ein kleines Orakel zu befragen, gehört zu seiner reichen Tradition. Wer die ersten drei Blütenknospen verzehrt, soll nach altem Glauben das ganze Jahr über gesund bleiben – eine Verbindung von Natur, Heilkraft und spielerischer Kultur, die diese Pflanze einzigartig macht.
Der deutsche Lyriker Josef Guggenmos (1922-2003) widmete dem Löwenzahn sogar ein Gedicht:
Verblühter Löwenzahn
Wunderbar stand er da im Silberhaar.
Aber eine Dame, Annette war ihr Name,
machte ihre Backen dick, machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht, blies im fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze. Zurück mit einer Glatze.
Vogelmiere – das zarte Frühlingskraut
Die Vogelmiere, Stellaria media, ist ein weiteres Wildkraut, das schon früh im Jahr frisches Grün auf Felder, Gärten und an Wegränder bringt. Leider oft als Unkraut entfernt, zeichnet sich die Vogelmiere durch ihre zarten, ovalen Blätter und kleinen weißen Blüten aus, deren fünf tief eingeschnittene Blütenblätter wie kleine Sterne wirken. Typisch ist der dünne Stängel mit einer feinen Haarlinie entlang einer Seite. Schon im Spätwinter treibt die Pflanze neue Triebe aus und gehört damit zu den ersten Wildkräutern des Jahres.
Vogelmiere ist reich an Vitamin C, Provitamin A, Kalium, Magnesium und Eisen sowie an Flavonoiden, Saponinen und Kieselsäure. Sie wirkt vitalisierend, unterstützt Haut und Bindegewebe und wurde traditionell zur Förderung des Stoffwechsels eingesetzt. Kulinarisch bereichern die zarten Blätter Salate, Kräuterquark oder Smoothies. Unter ihren vielen volkstümlichen Namen wie Hühnerdarm, Sternmiere oder Mäusedarm spiegelt sich die lange Geschichte dieser Pflanze als nahrhaftes und gesundes Wildgemüse wider.
Wiesenschaumkraut – die blütenreiche Frühlingspflanze
Wiesenschaumkraut – die blütenreiche Frühlingspflanze
Das Wiesenschaumkraut, botanisch als Cardamine pratensis bezeichnet, wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen, Flachmooren und an Uferbereichen. Mit seinen bis zu 60 Zentimeter hohen Stängeln, den Rosetten aus gestielten Fiederblättern und den blassvioletten, rosa oder weißen Blüten in Trauben fällt es sofort ins Auge. Die Blüten sind nektarreich und werden von zahlreichen Insekten besucht, darunter auch der Aurora-Falter, dessen Raupen sich von dem Pflanzensaft ernähren.
Die Pflanze enthält Vitamin C, Bitterstoffe und Senfölglykoside, die belebend wirken und die Aktivität der Körperdrüsen anregen können. Frischsaft des Wiesenschaumkrautes wird traditionell in Frühjahrskuren eingesetzt, wobei bei empfindlichem Magen auf die Schärfe der Senfölglykoside geachtet werden sollte. Sowohl Blätter als auch Blüten und Samen sind essbar: Blätter und Blüten bereichern Salate, Kräuterquark oder Suppen, während die Samen eine pfefferähnliche Schärfe liefern. Aufgrund ihrer Bedeutung für Insekten und der auffälligen Blüten wurde das Wiesenschaumkraut 2006 zur Blume des Jahres gewählt.
Die Beispiele Löwenzahn, Vogelmiere und Wiesenschaumkraut zeigen, wie vielfältig und wertvoll die Kräuterwelt des Frühlings ist. Sie verbinden kulinarischen Genuss mit gesundheitsfördernden Eigenschaften, bereichern den Speiseplan und sind zugleich Teil einer reichen kulturellen und botanischen Tradition. Wer die Wiesen und Gärten aufmerksam erkundet, kann nicht nur die Farben und Düfte der Saison genießen, sondern auch die Kraft dieser Wildkräuter erleben. Ein Spaziergang über blühende Wiesen und durch die grünen Wälder wird so zu einer Entdeckungsreise voller Geschmack, Wissen und Vitalität.
Alle drei eignen sich perfekt für einen Detox-Smoothie. Ein Rezept gibt`s hier zum Download.
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