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Bayerischer Streuobstpakt
„Es lebe die Vielfalt“ im bayerischen Landtag

(08.07.2026) München – Über Jahrhunderte hinweg prägte der Streuobstanbau die bayerische Kulturlandschaft. Aus Rentabilitätsgründen ging diese Form der Landnutzung jedoch zunehmend zurück. Heute ist ihre Bedeutung vor allem auch für den Erhalt der Artenvielfalt unbestritten. Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, unterzeichneten die Staatsregierung sowie maßgebliche Verbände und Vereine im Jahr 2021 den Bayerischen Streuobstpakt. Fünf Jahre nach dessen Inkrafttreten zogen die Initiatoren im Maximilianeum Bilanz.

Während im Plenarsaal des Bayerischen Landtags der Ministerpräsident eine Regierungserklärung hält, bietet sich im benachbarten Senatssaal ein ungewohntes Bild: Obstbäume schmücken die Bühne, Informationsstände werben für den Bayerischen Streuobstpakt und ein Banner verkündet das Motto „Es lebe die Vielfalt“. Zahlreiche Abgeordnete nutzen an diesem 21. Mai 2026 die Gelegenheit, sich vor oder nach der Plenarsitzung über die Initiative zu informieren und mit ihren Initiatoren ins Gespräch zu kommen. Im Mittelpunkt des Informationstages für die Volksvertreterinnen und Volksvertreter stehen die bisherigen Erfolge der Initiative sowie ihre Bedeutung für den Erhalt der Streuobstwiesen in Bayern. Die Staatsregierung würdigt an diesem Tag gemeinsam mit ihren Partnern das fünfjährige Bestehen des Bayerischen Streuobstpakts.

Vertreten sind das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberbayern, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogel- und Naturschutz, die bayerischen Landschaftspflegeverbände, der Bayerische Bauernverband, die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau, der Verband der Bayerischen Fruchtsaftindustrie, der Bund Deutscher Baumschulen sowie der Landesverband für Gartenbau und Landespflege. Gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung gehören sie zu den maßgeblichen Partnern, die den Bayerischen Streuobstpakt auf den Weg gebracht haben und ihn seither mit Leben füllen.

Landtagspräsidentin und Hausherrin Ilse Aigner eröffnete offiziell den Informationstag „Fünf Jahre Bayerischer Streuobstpakt“. Bei ihrem Grußwort hob sie besonders u.a. die große Gemeinschaftsleistung des Streuobstpakts hervor. „Es ist eben nicht nur eine Aktion, die von der Staatsregierung vorangebracht wurde, sondern es ist eine Gemeinschaftsaktion der Zivilgesellschaft und vieler Akteure aus der Landwirtschaft, aus den Verbänden, aus den Kommunen, die sich alle zusammengetan haben. Nicht zuletzt auch der Bürgerinnen und Bürger, die dazu einen Beitrag geleistet haben.“
Umweltminister Torsten Glauber mahnte, dass trotz der positiven Entwicklung das Engagement nicht nachlassen dürfe. Zwar sei viel erreicht worden, doch habe er die Sorge, dass der anfängliche Hype inzwischen abgeklungen sei. Jetzt komme es darauf an, gemeinsam dranzubleiben. Das gehe nicht von allein. Deshalb dankte er allen Engagierten, die mit ihrer Arbeit, neuen Ideen und ihrem Einsatz den Streuobstpakt weiter voranbringen.

Staatsministerin Michaela Kaniber, zog in ihrem Grußwort zum fünfjährigen Jubiläum des Streuobstpakts eine positive Zwischenbilanz. Sie nannte 250.000 Streuobstbäume, die gepflanzt worden seien. In der Pflege habe man 150.000 Bäume, und nicht zu unterschätzen sei der wertvolle Streuobstbaumbestand auf Wiesen und Weiden. Dort, wo man eine erschwerte Unternutzung habe, pflege man über 400.000 Bäume. Zudem gebe es 30 innovative Streuobstprojekte und 27 Streuobst-Manager. Eine Bilanz, die sich wahrlich sehen lassen könne.
Abschließend sagte Kaniber, dass sie beim Abschluss des Streuobstpakts das Wort „Generationenvertrag“ auch heute wieder aus voller Überzeugung verwendet habe. „Was wir heute pflanzen, ernten unsere Kinder. Was wir heute pflegen, werden unsere Kinder und Enkerl irgendwann bewundern“, sagte die Ministerin unter anderem. „Und nur wer weiß, was es wirklich bedeutet, so eine Lebensgrundlage zu haben, der schützt sie im Übrigen auch sehr gerne.“

In seinem Grußwort warb Wolfram Vaitl, der Präsident des Bayerischen Landesverbands für Gartenbau und Landespflege e.V. dafür, die notwendige finanzielle Unterstützung langfristig sicherzustellen, und betonte, dass der Erfolg des Projekts nur gelingen könne, wenn alle Beteiligten dauerhaft an einem Strang zögen und die Pflege der bayerischen Kulturlandschaft auch über die Projektlaufzeit hinaus gemeinsam fortführten.
Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern e.V., appellierte an die Abgeordneten, sich als Botschafterinnen und Botschafter für den Erhalt dieses einzigartigen Lebensraums einzusetzen. Wer draußen einmal einen Wendehals, einen Gartenrotschwanz oder einen Grünspecht sehen wolle, müsse auf eine Streuobstwiese gehen. „Es ist ein Lebensraum voller Leben.“ Der Bayerische Streuobstpakt trage dazu bei, diesen Lebensraum nicht nur zu erhalten und zu pflegen, sondern ihn auch weiter auszubauen.

Annika Nottensteiner von der Netzwerkkoordination „Geprüfte Qualität – Bayern“ sprach im Zusammenhang mit dem Streuobstpakt u.a. über Qualitäts- und Herkunftssicherungsprogramme. Mit „Geprüfte Qualität – Bayern“ und dem Bayerischen Bio-Siegel verfüge man in Bayern über zwei starke Instrumente, um erzeugte und verarbeitete Lebensmittel für Verbraucherinnen und Verbraucher erkennbar und sichtbar zu machen. „Die Siegel schaffen Orientierung, machen Herkunft nachvollziehbar und stehen für Transparenz und Sicherheit“, so Nottensteiner.
Der Bayerische Streuobstpakt wurde am 18. Oktober 2021 von der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit Vertretern aus Naturschutz, Landwirtschaft, Gartenbau und Wirtschaft geschlossen. Er entstand als Ergebnis des Dialogprozesses nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ und reagiert auf den starken Rückgang der Streuobstbestände in Bayern.

Ziel des Pakts ist es, den vorhandenen Streuobstbestand dauerhaft zu sichern und bis 2035 eine Million zusätzliche Streuobstbäume zu pflanzen. Gleichzeitig sollen die ökologische Vielfalt, die regionale Wertschöpfung sowie die Pflege und Nutzung der traditionellen Streuobstlandschaften nachhaltig gestärkt werden.
Einen Überblick über aktuelle Streuobst-Veranstaltungen in Bayern bietet der gemeinsame Veranstaltungskalender:

www.streuobst-in-bayern.de/veranstaltungen-1 Externer Link

Übersichtskarten zu den bereits gepflanzten Bäumen:

www.streuobstpakt.bayern.de/projekte/baeume_gepflanzt.html Externer Link

Fotos: Robert Hoffmann, ALE Oberbayern, Abdruck honorarfrei